Solarterm Hanlu – Die Zeit, in der du entscheidest, was bleiben darf

8. Oktober bis 22. Oktober 2026

Die Luft wird kälter. Die Tage werden kürzer. Morgens liegt Tau auf den Blättern und die Natur zieht sich langsam zurück.

Mit Hanlu (寒露) – dem „kalten Tau“ – beginnt im chinesischen Jahreskreis eine Zeit, in der der Herbst noch einmal spürbar tiefer wird. Hanlu ist der 17. der 24 Solar Terms und markiert den Übergang in die Yang-Erde-Hund-Zeit. 2026 beginnt Hanlu am 8. Oktober; etwa zwei Wochen später folgt mit Shuangjiang bereits der nächste Solar Term, die Zeit des Frosts.

Und vielleicht ist genau das das schönste Bild für diese Zeit:

Nicht alles, was du bisher mitgetragen hast, muss mit dir in den Winter gehen.

Der Hund steht am Tor.

In der BaZi-Lehre verbindet sich Hanlu mit dem 戌 – dem Hund, dessen Hauptqualität Yang-Erde ist.

Stell dir einen großen Berg vor.

Er bewegt sich nicht bei jedem Windstoß.
Er rennt keinem Impuls hinterher.
Er steht.

Und in seinem Inneren können Dinge verborgen liegen, die wertvoll sind.

Genau deshalb trägt diese Zeit zwei scheinbar gegensätzliche Qualitäten:

Bewahren. Und aussortieren.

Der Hund steht für Loyalität, Schutz, Stabilität und die Dinge, die uns wichtig sind.

Aber Loyalität kann eine Schattenseite haben.

Denn manchmal bleiben wir einer Beziehung treu, obwohl wir längst wissen, dass sie uns nicht mehr guttut.

Wir halten an einem Job fest.

An einer Vorstellung davon, wie unser Leben aussehen sollte.

An einem alten Versprechen.

An einer Version von uns selbst, die einmal richtig war – heute aber nicht mehr.

Und irgendwann müssen wir uns eine unbequeme Frage stellen:

Wem oder was bin ich eigentlich noch loyal – und wem dabei vielleicht nicht mehr?

Was wirklich deins ist

Hanlu ist keine Zeit, in der du möglichst viele neue Dinge beginnen musst.

Es ist eine Zeit der Auswahl.

Die Natur macht es uns vor. Sie versucht nicht, im Herbst noch einmal Frühling zu spielen.

Sie zieht ihre Energie zurück. Sie lässt los. Sie bewahrt ihre Ressourcen.

Und sie bereitet sich auf die dunklere Jahreszeit vor.

Vielleicht darfst auch du in diesen zwei Wochen einmal so tun, als müsstest du deine eigene kleine Winterhöhle packen.

Du hast nur begrenzt Platz. Was nimmst du mit? Welche Menschen? Welche Beziehungen? Welche Gewohnheiten?

Welche Projekte? Welche Träume? Welche Überzeugungen?

Und vor allem: Welche davon gehören wirklich noch zu dir?

Deine Hanlu-Praxis für die nächsten zwei Wochen.

Du musst dafür weder dein ganzes Leben umkrempeln noch eine große Entscheidung treffen.

Nutze Hanlu vielmehr als kleine Bestandsaufnahme.

1. Was darf bleiben?

Schreib zehn Dinge auf, die dir aktuell wirklich guttun.

Menschen.
Orte.
Rituale.
Gewohnheiten.
Projekte.
Gedanken.
Tätigkeiten.

Und dann frage dich:

Was davon möchte ich bewusst mit in die nächsten Monate nehmen?

Nicht, weil du es schon immer hattest. Sondern weil es heute noch zu dir gehört.

2. Wo bin ich aus Loyalität geblieben?

Jetzt wird es etwas unbequemer.

Beende den Satz:

„Ich bleibe, obwohl ich eigentlich längst weiß, dass …“

Schreib die Antwort auf, ohne sie zu bewerten.

Vielleicht geht es um eine Beziehung.

Vielleicht um einen Job.

Vielleicht um einen Menschen, den du retten möchtest.

Vielleicht um eine Rolle, die du in deiner Familie schon seit Jahren einnimmst.

Vielleicht auch nur um eine Geschichte, die du dir selbst immer wieder erzählst.

Du musst daraus noch keine Entscheidung machen.

Aber du darfst ehrlich hinschauen.

3. Was kostet mich mehr Energie, als es mir zurückgibt?

Mach eine kleine Liste.

Das gibt mir EnergieDas zieht mir EnergieMenschenMenschenTätigkeitenTätigkeitenOrteOrteGedankenGedankenVerpflichtungenVerpflichtungen

Und dann schau dir besonders die rechte Seite an. Nicht alles, was Energie kostet, muss weg.

Aber alles, was dauerhaft Energie kostet, verdient deine Aufmerksamkeit.

4. Was nehme ich nicht mit?

Wähle eine Sache.

Nur eine.

Eine Gewohnheit.
Eine Erwartung.
Eine Beziehung zu einer bestimmten Person.
Eine Selbstbeschreibung.
Eine Verpflichtung.
Eine Angst.
Eine alte Geschichte.

Und sage:

„Das war einmal Teil meines Weges. Aber ich muss es nicht weitertragen.“

Das ist Hanlu.

Nicht alles wegwerfen.

Bewusst auswählen.

Und dann kommt die vielleicht wichtigste Frage.

Der Hund kann für Loyalität stehen.

Aber echte Loyalität beginnt nicht bei anderen.

Sie beginnt bei dir.

Deshalb frage dich:

Wo bin ich jemand anderem treu geblieben und dabei mir selbst untreu geworden?

Das kann eine sehr stille Frage sein.

Und manchmal ist die Antwort nicht:

„Ich muss gehen.“

Manchmal ist sie:

„Ich muss endlich meine Grenze aussprechen.“

Oder:

„Ich muss aufhören, auf seine Entscheidung zu warten.“

Oder:

„Ich darf dieses Projekt anders machen.“

Oder:

„Ich darf zugeben, dass ich das eigentlich gar nicht mehr will.“

Oder einfach:

„Ich darf mich selbst wieder ernst nehmen.“

Hanlu und dein Lebensfeuer.

Und hier schließt sich für mich der Kreis.

Denn Loslassen bedeutet nicht, dein Feuer kleiner zu machen.

Im Gegenteil.

Manchmal musst du nicht mehr Feuer machen.
Du musst nur aufhören, dein Feuer mit Dingen zu füttern, die es ersticken.

Menschen, die dich dauerhaft erschöpfen.

Leben, die du nur noch aushältst.

Erwartungen, die gar nicht deine sind.

Alte Geschichten.

Schuldgefühle.

Das Bedürfnis, von allen verstanden oder akzeptiert zu werden.

Vielleicht besteht deine Aufgabe in diesen zwei Wochen deshalb nicht darin, etwas Neues zu erschaffen.

Vielleicht besteht sie darin, Platz zu schaffen für das, was wirklich deins ist.

Dein Hanlu-Ritual.

Wenn du magst, nimm dir an einem Abend in diesen zwei Wochen 20 Minuten Zeit.

Mach dir ein Feuer oder zünde eine Kerze an.

Nimm dein Journal.

Und beantworte diese fünf Fragen:

1. Was möchte ich bewahren?

2. Was trage ich nur noch aus Gewohnheit oder Loyalität?

3. Was darf ich zurückgeben, weil es nicht mehr zu mir gehört?

4. Was braucht mein Lebensfeuer jetzt, damit es durch den Winter kommt?

5. Was möchte ich im nächsten Frühjahr vorfinden, weil ich heute den Boden dafür bereite?

Du musst dabei nichts erzwingen.

Keine große Erleuchtung.

Keine endgültige Entscheidung.

Vielleicht reicht eine einzige Erkenntnis.

Denn manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem großen Aufbruch.

Sondern mit einem leisen:

„Das hier gehört nicht mehr zu mir.“

Und genau dort beginnt die Auswahl.

Deine Hanlu-Botschaft.

Vielleicht ist das die Botschaft dieser Zeit:

Du musst nicht alles mitnehmen, nur weil es einmal zu deinem Leben gehört hat.

Du darfst bewahren, was dich nährt.

Du darfst loslassen, was dich erschöpft.

Du darfst deine Loyalität überprüfen.

Du darfst deine Grenzen neu setzen.

Und du darfst dich fragen:

Was ist wirklich deins?

Denn wenn der Winter kommt, geht es nicht darum, wie viel du besitzt.

Es geht darum, was dich durch die Dunkelheit trägt.

Und vielleicht stellst du am Ende dieser zwei Wochen fest:

Du brauchst gar nicht mehr.

Du brauchst nur weniger von dem, was nie wirklich deins war.

Love, Nicole


Nicole Krüger

Tarot Master & Shamanic Energy Healer

https://www.Kartenschamanin.com
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Neuanfang im Leben